Abschiebung - wir gehen wir als Helferkeis Riedering damit um

Am sechsten Januar hat sich eine kleine Gruppe des Helferkreises getroffen um über den Umgang mit Abschiebung von unseren Flüchtlingen zu diskutieren.

Aktuelle Lage:

Von unseren 24 Flüchtlingen sind 19 Männer aus Nigeria. In den letzten Wochen haben drei von ihnen den Abschiebebescheid nach Dublin II bekommen. Das bedeutet, dass sie schon einen Asylantrag in einem anderen EU-Land (inclusive Norwegen, Island und Schweiz) gestellt haben bzw. dort registriert worden sind.

Chancen für Nigerianer in Deutschland – aktuelle Zahlen:

Nigeria ist aus Behördensicht ein relativ sicheres Herkunftsland und daher ist die Asylschutzchance in Deutschland für Nigerianer sehr gering. Im Jahr 2015 wurden von 2598 Asylanträgen nur 22 positiv entschieden (dies entspricht weniger als einem Prozent). (Quelle: BAMF)

Wie gehen wir jetzt mit diesen Abschiebungen um und wie können wir unseren Flüchtlingen helfen?

Ein Abschiedebescheid belastet jeden unserer Flüchtlinge sehr und diese Belastung spürt man und man würde gerne Abhilfe schaffen. Um jeden unserer Flüchtlinge die gleiche Hilfe anzubieten, haben wir uns verständigt, dass der Helferkreis Riedering jeden einzelnen berät und Hilfestellung gibt, wie man rechtliche Schritte einlegen kann. Dazu wird eine zentrale Sprechstunde eingerichtet, in der jeder der Flüchtlinge seinen Abschiedebescheid erklärt bekommt, ihm realistische Chancen zum Verbleib in Deutschland aufgezeigt werden und ihm eine Liste mit Anwälten ausgehändigt wird, die von Caritas empfohlene Asylanwälte enthält. Um jeden Flüchtling gleich zu behandeln und um an die Eigenständigkeit zu appellieren wird vom Helferkreis Riedering gegen Abschiedebescheide direkt kein Rechtsmittel eingelegt.

Die bisherigen Abschiedebescheide sind alle wegen Dublin II ausgestellt worden. Um den Start in deinem anderen EU-Land zu erleichtern wollen wir zukünftig in unserem Deutschunterricht Zertifikate/Zeugnisse erstellen, sodass jeder Flüchtling seine Sprachkenntnisse auch schriftlich nachweisen kann. Falls der Flüchtlinge schon eine Arbeitsstellt oder ein Praktikum hat, so versuchen wir dafür ein Zeugnis des Arbeitgebers zu bekommen. Evtl. kann die Gemeinde oder die Kirche auch einen Nachweis über geleistete soziale Arbeit ausstellen. Wir hoffen damit, die Chancen und die Perspektive des Flüchtlings in einem EU-Land oder später in seiner Heimat zu verbessern.

Das BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) hat uns zum dem Thema Abschiebung  folgendes zukommen lassen.

„Man darf bei allem nicht vergessen, dass die Länder ein großes Potenzial verlieren, wenn ihre Bürger fliehen. Ich habe großes Verständnis für alle, die ihre Lage verbessern wollen und für die Schutzbedürftigen sowieso. Mich treibt es aber sehr um, dass damit ein Brain Drain (Anmerkung: wörtlich Gehirn-Abfluss im Sinne von Talentschwund, somit der Abwanderung der Intelligenz einer Volkswirtschaft) verbunden ist, der die betroffenen Länder immer weiter in die Krise treibt. Mir ist es wichtig, dass gerade auch engagierte Mitbürger hier die Schwerpunkte richtig setzen.“ (Thomas Kreitschmann, Referatsleiter 223, Migrationsanalysen, Reporting, BAMF)

 

Der Helferkreis Riedering